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An den Wassern von Babylon Drucken E-Mail
Geschrieben von: Lippe aktuell   
Samstag, 21. Februar 2009 um 00:00 Uhr

Grandiose Uraufführung der »Psalmenkantate« durch die Detmolder Kantorei

Detmold (wwk). Unter dem Titel »Psalmen-Fest« hatte die ambitionierte Chorleiterin der Detmolder Kantorei Andrea Schwager ein nicht nur abwechslungsreiches sondern zugleich auch höchst anspruchsvolles Konzertprogramm zusammengestellt, welches mit geistlichen Chorwerken aus der Renaissance, dem Frühbarock und der Moderne bis hin zu einer Uraufführung eines erst im vergangenen jahr komponierten Stückes den gut 40 Sängerinnen und Sängern alles abverlangte und unheimliche Flexibilität erforderte.

Den Auftakt bildeten John Rutters »Praise ye the Lord«, basierend auf dem Psalm 150, sowie sein »All things bright and beautiful«, mit denen die Detmolder Kantorei thematisch eine hervorragende Einstimmung auf den Konzertnachmittag bieten konnte, auch wenn der originelle Umgang des postmodernen Komponisten mit normaler Kadenzharmonik und die rhythmischen Finessen dieser Lobgesänge den Chor an den Rand seiner Leistungsfähigkeit brachten. Schwierig gestaltete sich hierbei vor allem die Korrespondenz zwischen Chor und Organist, die Leiterin Andrea Schwager nicht vollends durch ihr Dirigat aufzufangen wusste.

Viel eingespielter aufeinander zeigten sich hingegen Organist Gregor Schwarz und Sopranistin Sabine Ritterbusch. Letztere verstand auf unnachahmliche Weise, dem Hörer die Texte des schlesischen Dichters Angelus Silesius trotz all ihrer Schlichtheit, aufgrund derer sich die darauf basierenden Lieder des Berliner Komponisten Joseph Ahrens in den gottesdienstlichen Kontext einordnen lassen, näher zu bringen. Auch in den leisesten Passagen gelang es Ritterbusch, den Hörer mit einer hervorragenden Artikulation sowie wohl durchdachten Spannungsbögen zu fesseln, ehe sie in exponierten Fortissimo-Pas-sagen von »Des Herren Tod«, die wie aus dem Nichts entstanden, ihre ganze Stimmgewalt zu Tage treten ließ.
Hiervon scheinbar inspiriert blühte auch die Detmolder Kantorei in ihrem Leistungsvermögen zunehmend auf und zeigte mit den zwei kontroversen Vertonungen des »Musica Dei Donum« durch Orlando di Lasso und John Rutter die ganze Bandbreite ihres Könnens. Letztere überzeugte vor allem durch die wunderbare Verschmelzung von Chor und Flöte, die von Arndt Jubal Mehring gespielt wurde. Mehring bereicherte das Programm darüber hinaus auch mit zwei reinen Instrumentalstücken für Flöte und Orgel, die von seinem brillanten Staccatospiel und unglaublicher Fingerfertigkeit zeugten, aber Höhepunkt der Veranstaltung war letztendlich doch die Uraufführung seiner im vergangenen Jahr als Auftragskomposition der Detmolder Kantorei entstandenen »Psalmenkantate«. Basierend auf dem bekannten Psalm 137 »An den Wassern zu Babel«, in dem das jüdische Volk seine Gefangenschaft in Babylonien beklagt und seine Sehnsucht nach Jerusalem, respektive die Hoffnung auf eine Heimkehr zu Gott zum Ausdruck bringt, schuf der Bad Pyrmonter Komponist Arndt Jubal Mehring aus dem Tonmaterial des Chorals »An Wasserflüssen Babylon« eine sechsteilige Kantate im Gedenken an die Vertriebenen beider Weltkriege. Eingeleitet durch ein Psalmen-Vorspiel des Chores, in dem erstmals das verbindende Wellenmotiv erscheint, welches auf den Psalm 137 hindeutet und leitmotivisch die gesamte Kantate zu durchziehen scheint, folgt ein Rezitativ des Solo-Soprans, die Geschichte der Verfolgung vom Volk Israel schildernd. In der anschließenden Psalmen-Klage von Chor und Solo-Sopran findet sich dann erstmals der Pate stehende Psalm 137 textlich wieder, jedoch unter Ausschluss der Verse, die die Vergeltungswünsche der Israeliten zum Ausdruck bringen und die in dem vorausgegangen Werk von Heinrich Schütz noch so lautmalerisch Umsetzung gefunden hatten.
Stattdessen bettet Mehring auf den Psalm 126 verweisend ein weiteres Sopran-Solo ein, welches Zuversicht verspricht und in die wie ein Weckruf gestaltete Elegie für Vertriebene mündet. Bei Gott Hilfe suchend heißt es »Wache auf Herr!«, ehe in einem weiteren Rezitativ von der Rettung der Israeliten die Rede ist und ein fulminanter Lobgesang folgt, den die Ausführenden dynamisch sehr differenziert gestalteten. »Die mit Tränen säen, werden mit Freuden ernten« heißt es zu guter Letzt, und somit gelang Mehring ein grandioses Werk, was in sich rund um geschlossen und bis ins Detail durchdacht wirkt.

 Konzert Psalmenfest

Leiterin Andrea Schwager sowie Sopranistin Sabine Ritterbusch, Organist Gregor Schwarz und Flötist/Komponist Arndt Jubal Mehring trugen maßgeblich zum Erfolg der Veranstaltung bei.
Foto: Wallbaum-v. Kloeden