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Detmolder Kantorei, Schloss-Spatzen, Instrumentalisten und Solisten führen Matthäus-Passion auf Von Christine Dick (LZ vom 09.03.2010) Mit drei Stunden Aufführungsdauer ist Bachs Matthäus-Passion sicherlich eine Geduldsprobe für den Zuhörer. Gleichwohl spendeten die zahlreichen Besucher in der Kirche Heilig Kreuz großen Beifall. PDF
Detmold. Johann Sebastian Bachs monumentales Werk ist ein Vermächtnis, das zweifelsfrei einen Höhepunkt seines Schaffens festhält. Drei Stunden lang geht es um das Leiden und Sterben von Jesus nach dem Evangelium des Matthäus. Der Inhalt wird auf zwei Chöre (Detmolder Kantorei und Detmolder Schloss-Spatzen), ein Instrumentalensemble („La réjouissance“, Konzertmeister: Gregor van den Boom) sowie Vokalsolisten (Magdalene Harer, Christiane Schmidt, Andreas Post, Gottfried Meyer, Hinrich Horn) und Instrumentalsolisten (Laute: Axel Weidenfeld, Orgel: Gregor Schwarz) aufgeteilt. Unter der Leitung von Andrea Schwager war die Aufführung der Matthäus-Passion BWV 244 eine bemerkenswerte Ensembleleistung. Schon der Einstieg mit den motivierten Schloss-Spatzen (Einstudierung: Christiane Schmidt) geriet eindrucksvoll. Der Evangelist, Solotenor Andreas Post, erzählte anschaulich die Rahmenhandlung, Chor und Solisten traten in direkte Dialoge, kontemplative Arien verinnerlichten das Leiden Jesu. Gottfried Meyer (Bariton) gab dem Christus eine Stimme, die Leid und Vertrauen mit viel Ausdrucksstärke verband. Was bleibt nun nach einem solch gehaltvollen Abend, in dessen Mittelpunkt ein Werk aus dem Jahr 1727 steht, das zu Bachs Zeiten selbst als zu lang, zu theatralisch und zu aufwändig galt? Die Themen sind schwer, mal berührend, niederschmetternd, mal hoffnungsvoll. Es geht um Gemeinsamkeit und Verrat, um Zweifel und Verzweiflung, Schmerz und Schuld, um menschliches Versagen und göttliches Erretten, Einsamkeit und Trost. Das alles kann Musik ausdrücken. Und sie schafft es, aus zahlreichen Chorälen, Libretti, Rezitativen und Arien Augenblicke hervor zubringen, in denen man Gänsehaut bekommt. Zum Beispiel, als der Chor wie aus dem Nichts heraus „Barrabam!“ ruft, fast kaltherzig, bevor Jesus verurteilt und gekreuzigt wird. Dieser kleine Augenblick spiegelt das Timing zwischen Chor, Solisten und Ensemble, zeugt von präziser Anleitung durch Andrea Schwager und einer Dramaturgie, die mitreißt. Ein großer emotionaler Gegensatz ist das, was Sopranistin Magdalene Harer dann im Einklang mit Flöte und Oboe entgegnet: „Aus Liebe will mein Heiland sterben.“ Sanft und warm ist ihre Stimme, reines Wohlgefühl. Die Prophezeiungen erfüllen sich, die Instrumente sind in wellenförmigen Etappen durch Kummer und Schmerz gegangen, Streicher umspielten das Göttliche, der Bass das Menschliche. Bach hat in der Matthäus-Passion etwas Spektakuläres hinterlassen, das in drei Stunden die elementarsten Gefühle verbindet und auch heute noch Bestand haben kann . Glänzte mit ihrem warmen Sopran: Magdalene Harer gestaltete einen Solopart in der Matthäus-Passion. FOTO: DICK |